"Ich werde nicht umhinkommen, der Redaktion meinen Wein zum Degustieren zu geben"

Seit 31. März 2010 steht die Finanzierung der neuen Zeitung für Ob- und Nidwalden, der ONZ. Und seit Mittwoch steht auch der Name des Chefredaktors der neuen Lokalzeitung fest: Francesco Welti. Im Interview mit dem ZVM spricht er über Regionaljournalismus, Unabhängigkeit sowie Wein. Und er macht ZVM-Mitgliedern mit Lokalkenntnissen ein Angebot.

 

 

Francesco Welti und sein Rebberg im Tessin.
Francesco Welti und sein Rebberg im Tessin.

 

Francesco Welti, was macht für Sie eine gute Regionalzeitung aus?

Francesco Welti: Es ist ganz wichtig, dass man sich auf die Region, aufs Lokale konzentriert. Mit einer kleinen Redaktion von acht Leuten wie wir sie haben, wäre es falsch zu glauben, man könnte auch noch einen Ausland- und Inlandteil stemmen. Deshalb ist das bei der ONZ schon gar nicht vorgesehen. Daneben ist es ganz wichtig, dass eine Regionalzeitung unabhängig ist. Nur so kann eine Redaktion nachbohren, unbequeme Fragen stellen. Mit fast 400 Aktionären ist diese Unabhängigkeit gegeben.


Aber Nidwalden und Obwalden sind zwei Kleinkantone. Geben die so viel her?

Welti: Geschichten hat es überall, man muss sie nur suchen. Und selbstverständlich muss man über die entsprechenden Leute verfügen, die solche Geschichten aufspüren können.

 

Neue Zeitung für Ob- und Nidwalden

Am 23. April erscheint die erste gedruckte Ausgabe der neuen Zeitung für Ob- und Nidwalden, der "ONZ Obwalden Nidwalden Zeitung". Die Lokalzeitung erscheint jeweils dienstags und freitags als Printversion, täglich gibt es Berichte im Internet.

Laut einer Medienmitteilung haben über 390 Personen aus den beiden Kantonen Aktien von insgesamt 3 Millionen Franken gezeichnet.

Das neue Medienunternehmen mit 15 Vollzeitstellen ist in Alpnach beheimatet.

Erster Chefredaktor ist der 45-jährige Francesco Welti. Journalistisch war Welti zuletzt im Kanton Tessin tätig. Er war Chefredaktor der "Tessiner Zeitung" und Korrespondent der Nachrichtenagentur sda.

 

 

Und haben Sie die Leute? Am 23. April soll ja bereits die erste Ausgabe erscheinen.

Welti: Noch nicht, aber es laufen Gespräche mit Interessenten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir schnell die Leute zusammenbringen. Jetzt, wo wir das nötige Geld zum Starten beisammen haben, wird dies sicherlich noch ein wenig einfacher. Wir legen aber Wert darauf, dass unsere Redaktoren in der Region wohnen.

 

Werden Sie ihr Team zum Start am 23. April bereits beieinander haben?

Welti: Das kaum. Aber das müssen wir auch nicht. Wir befinden uns als Mikrozeitung in einer speziellen Situation. Die Jungfrau-Zeitung, die sozusagen unsere Schwester ist, wird uns in den Anfängen aushelfen. Während einer befristeten Zeit steht uns ab Dienstag ein Teil der Redaktion aus Brienz zur Verfügung.

 

Sie wollen die Redaktion mit möglichst vielen einheimischen Journalisten bestücken. Von wo wollen Sie diese holen?

Welti: Wir setzen zum einen auf junge Journalisten und aneren auf bestande. Diese müssen nicht zwangsläufig bereits heute in der Region tätig sein, denn davon gibt es nur wenige. Das können Leute aus der Region sein, die heute in einem anderen Kanton arbeiten. Wenn in ihrem Verband Personen mit Erfahrungen im Lokalen hat, die sich für eine Stelle interessieren, sollen sie sich bei uns melden. Man kann sich bei Martin Utz oder bei mir melden.

 

Fortsetzung: "Wir sind uns im Klaren, dass wir über zwei verschiedene Welten berichten."