"So bald diese Sender in Betrieb sind, werden wir die Luzerner Redaktion ausbauen"

Radio Central hat im vergangenen Jahr auch in Luzern stark zugelegt. Doch der Schwyzer Sender will sein Engagement in Luzern noch ausbauen. Programm- und Geschäftsleiter Alfons Spirig sagt, bis wann es so weit ist.

 

Heute verzichtet Radio Central auf Gebührengelder. Wie wichtig waren die Gelder des Bundes aber zu Beginn?
 
Alfons Spirig: Wie bereits erwähnt erhält Radio Central vom Bund keine Gelder mehr. Wir erhielten noch vor 2 Jahren jährlich rund 150'000 Franken Gebührensplitting. Das war ja nicht gerade viel im Vergleich zu heute, und wir sind trotzdem durch angemessenes Haushalten gut über die Runden gekommen. Heute erhalten die Gebührensplitting-Radios in ländlichen Region Beiträge in Millionenhöhe. Wir haben uns aber gegen Bundesgelder (Gebührengelder) und für den Wettbewerb entschieden, weil unser Team stark vom eigenen Produkt überzeugt ist. Damit müssen wir uns alleine aus dem Werbemarkt (90 Prozent) finanzieren.

 

Radio Pilatus, der härteste Konkurrent von Radio Central, hat in den vergangenen Jahren sein Musikprogramm stark gestrafft. Central geht in dieser Beziehung ganz andere Wege. Lohnt sich dies?
 
Alfons Spirig: Der Erfolg gibt uns wohl recht. Wir machen unsere Musik-Rotation aus über 30'000 Titeln, mit grösster Wahrscheinlichkeit so viel wie kein anderes Privatradio in der Schweiz. Auch in den Infos kennen wir die 2 oder 3 Minuten Regeln für die Beitragslänge nicht, sondern berichten manchmal bis zu 18 Minuten durchgehendem Sprachanteil in den Regionalen Infos am Mittag und Abend. Zudem produzieren wir täglich neben den Informationssendungen für die Innerschweiz (Luzern, Zug, Obwalden, Nidwalden, Schwyz) von Montag bis Freitag auch 5(!) Programmfenster für die Region Ausserschwyz, oberer Zürichsee bis Walensee und Glarus.

 

Entwicklung der Radio-Gebühren

1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Total in Mio. 6,1 5,9 5,9 5,5 5,9 5,9 5,8 5,9 6,5 7,4 7,4
Quelle: Bakom

 

 

Inwieweit profitiert Radio Central davon, dass Volksmusik auf DRS kaum mehr zu hören ist?
 
Alfons Spirig: Ich glaube wir profitieren von dieser Situation kaum. In unseren zwei grossen und einzigen Volksmusiksendungen von Mittwoch-Abend und Samstag-Morgen hatten wir schon immer sehr gute Einschaltquoten. Dieses grosse Interesse bestand aber auch schon vor der Eindämmung von Volksmusik auf  DRS. Als Privatradio dieses Sendegebietes fühlen wir uns auch dieser Sparte verpflichtet - ein weiterer Mosaikstein eben. Da auch Radio Eviva zur Radio Central-Gruppe gehört, haben wir hier aber die Gelegenheit diese beiden Sendungen auch auf Eviva (auf Satellit, Kabel und neu Digitalradio DAB+ zu verbreiten, was hier auch für Central (da Central-Programm) etwa zusätzliche 10'000 Hörer an solchen Tagen ergibt.
 
Im vergangenen Jahr eröffnete Central ein Studio in Luzern. Hat sich das Wagnis gelohnt?
 
Alfons Spirig: Sie bezeichnen dies als Wagnis, für uns ist es die Marketing-Strategie. Natürlich war es von finanzieller Seite her ein Risiko, da gebe ich Ihnen Recht. Wir haben aber im letzten Jahr fast 10'000 Hörer täglich in dieser Region  (Luzern und Agglo) zugelegt. Wir sind hier sicher die richtige Alternative zu Pilatus, welches ebenfalls - aus meiner Sicht - eine klar ausgerichtete Zielgruppe anspricht. Doppelhörer zwischen Central und Pilatus gibt es nur als verschwindend kleinen Teil. Also ist Central im Raum Luzern, Ob- und Nidwalden künftig die richtige Alternative. Insofern hat sich unserer Präsenz in Luzern für uns, aber vor allem für unsere Hörerinnen und Hörer absolut gelohnt.
 
Wenn man auf die Webcam auf der Homepage von Radio Central klickt, sieht man aber kaum jemand im Studio in Luzern. Täuscht der Eindruck?
 
Alfons Spirig: Der Eindruck täuscht bedingt. Es sind heute schon täglich zwischen 2 und 4 Leute im Studio Luzern, welches jetzt aber ausgebaut wird. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass wir endlich noch die Sender in Geuensee/Sursee (Provisorium), Dagmersellen und Engelberg in Betrieb nehmen können; Wolhusen läuft seit wenigen Tagen. So bald diese Sender in Betrieb sind, werden wir die Luzerner Redaktion ausbauen. Dazu haben wir dann auch eine Überraschung bereit. Wer unsere Informationssendungen hört, weiss aber auch, dass wir längst in Luzern präsent sind - oder fällt Ihnen ein wichtiges Luzerner Informationsthema auf, worüber wir in den letzten 5 Jahren nicht ausführlich informiert haben? Mein Eindruck ist es, dass wir gar oft tiefgehender berichten als die Luzerner und Zuger Mitbewerber. Und das darf ich anfügen, wir bieten auch den geschätzten Luzernern künftig noch mehr Programm. Luzern wird für unser Radio und unsere Hörer aus der Aglo Luzern befruchtend sein. Hier braucht es Alternativen zum Monopol der Neuen Luzerner Zeitung mit Zeitung, Fernsehen (neu) und Radio.

 

Radio Central feiert in diesem Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum. Lesen Sie, was alles geplant ist. Mehr..

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