"Der Hörererfolg schlägt sich immer erst verzögert auf den finanziellen Erfolg nieder"

Radio Central erklimmt die Spitze: Kein Privatradio in der Zentralschweiz weist mehr Hörer aus als der Sender aus dem Kanton Schwyz. Programm- und Geschäftsleiter Alfons Spirig über den Erfolg, Gebührengelder und die Ausweitung des Sendegebietes.

 

Alfons Spirig, Programm- und Geschäftsleiter von Radio Central AG. Alfons Spirig, Programm- und Geschäftsleiter von Radio Central AG.

 

Kein Radio wird in der Zentralschweiz mehr gehört als Central. Weshalb?
 
Alfons Spirig: Wir denken, dass wir mit der Ausrichtung auf ein Family-Radio genau unsere Zielgruppe treffen. In unserem Programm findet jedes Familienmitglied jeder Generation, ob gross ob klein, ob jung oder alt, immer einen Programm-Mosaikstein, welcher sie beziehungsweise ihn anspricht. Auch mit der Konzentration auf politische Information - wir berichten aus sieben Kantonsparlamenten live - treffen wir offenbar auf einen grossen Bedarf in unserem Konzessionsgebiet. Wir sehen unser Radioprogramm gerne als Gesamtbild visualisiert, welches aus verschiedensten Puzzlesteinen besteht. Wir setzen nicht auf Einheitsbrei, bei dem wir einen Trend verfolgen wie beispielsweise Hitradio-Format, sondern versuchen in differenzierten Sparten eine grosse Palette von Themen und Geschmacksrichtungen zu treffen. Auch deshalb haben wir eine derart grosse Breite in der Musikauswahl unseres Programms. Diese Mosaiksteine führen dann zum Klang- und Informationsbild "Family-Radio Central".

 

Hörerzahlen 
Station 2. Semester 2009
1. Semester 2009
Radio Central
196'100 169'400
Radio Pilatus
170'300 184'200
Radio Sunshine 125'700 137'500
Radio 3fach 22'700 22'600
Quelle: Publica Data AG

 

Radio Central hat sein Sendegebiet in den vergangenen Jahren stets ausgebaut. Ist dies mit ein Grund?
 
Alfons Spirig: Natürlich ist der stete Ausbau ein Grund für den Erfolg. Er war aber auch nötig, weil wir uns entschieden haben, auf Gebührensplitting zu verzichten, aber dafür mit Sursee, Hochdorf, Wolhusen und Willisau zusätzliche Gebiete zu erhalten. Dies ergibt auf der einen Seite ein grösseres Hörer-Potenzial, hat aber gleichzeitig für unsere Redaktion und Moderation auch einen grossen Mehraufwand zur Folge. Diese Challenge mit mehr Information für mehr Gebiete  - wir wollen ja möglichst allen etwas bieten -  nehmen wir aber gerne an. Im Marketing würde man von einem goldenen Mittelweg zwischen produktionsorientertem und bedürfnisorientierten Marketing sprechen. Rationales Marketing bringt mehr Aufwand aber auch mehr Hörer. Und dafür arbeiten wir ja: Wir wollen informieren und unterhalten und am Ende - mehr gehört werden.
 
Ist der Ausbau des Sendegebietes abgeschlossen oder geht er noch    weiter? Und wenn ja, welche Gebiete werden ins Visier genommen?
 
Alfons Spirig: Leider geht der Ausbau nicht so voran, wie wir uns das gewünscht haben. Nach wie vor sind noch nicht alle Teile unseres Konzessionsgebietes mit Programmaustrahlung in den Kantonen Luzern, Zug, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Uri und rund um den oberen Zürichsee optimal versorgt. Vor ein paar Wochen konnten wir aber nun den Sender in Wolhusen in Betrieb nehmen. Hingegen warten wir noch immer auf die Inbetriebnahme der Sender ob Sursee, Dagmersellen, aber auch in Engelberg. Diese Sender müssen laut Bakom im ersten Quartal allesamt in Betrieb gehen. Zudem ist der Empfang im Raume Hergiswil völlig ungenügend. Auch hier suchen wir nach raschen Lösungen und versuchen der Bevölkerung schnellstmöglich zu bieten, was ihr zusteht - ihr Radio Central Programm. Zurzeit betreiben wir 29 Sendetürme (davon 22 eigene Bauten) und 28 Tunnels, so viele Sender und Tunnels wie kein anderes Schweizer Privatradio! Der Aufwand für die Verbreitung des Radioprogramms in unserer geographischen Lage ist enorm hoch.
 
Eine Gebietsausweitung ist immer auch mit Kosten verbunden. Rein von den Hörerzahlen her ging die Rechung fürs Central auf, tut sie dies aber auch in finanzieller Hinsicht?
 
Alfons Spirig: Der Hörererfolg schlägt sich leider immer erst ein oder zwei Jahre verzögert auf den finanziellen Erfolg nieder. Also warten wir hier noch auf den Durchbruch. Radio Central wird in diesem Jahre 20 Jahre alt und hatte nur im Startjahr keine ausgeglichene Rechnung geschrieben. An die Gewinne eines Stadtradios, wie es Radio Pilatus ist, kommen wir noch bei Weitem nicht heran, auch wenn wir mehr Hörerinnen und Hörer haben. Die Werbetreibenden dürften aber in den nächsten Jahren durch unseren steilen Höreranstieg noch vermehrt und gezielter auf Radio Central Werbung buchen, was sich auf die finanzielle Situation unseres aufwändigen Senders positiv auswirken wird.

 

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