"Wir sind uns im Klaren, dass wir über zwei verschiedene Welten berichten."

Eine Zeitung für zwei Kantone - keine einfache Sache. ONZ-Chefredaktor Francesco Welti erklärt, wie die ONZ verhindern will, dass sicn ein Kanton benachteiligt fühlt.

 

 

Francesco Welti. Francesco Welti.

ONZ – eine Zeitung für zwei Kantone. Kein leichtes Unterfangen. Wie wollen sie es fertig bringen, dass sich kein Kanton vernachlässigt fühlt?

Welti: Es braucht ein Bewusstsein für diese Ausgangslage. Wir sind uns im Klaren, dass wir nicht nur über zwei Kantone, sondern auch zwei verschiedene Welten berichten. Und es ist selbstverständlich, dass jeder Kanton möglichst viel Platz für sich beanspruchen will. Aber es ist ja nicht so, dass wir in der ONZ einfach kantonale Seiten haben. Sondern wir haben Ressorts für die verschiedenen Themen und haben vor allem einen permanenten Newsfluss auf unserer Website.

 

Und das genügt?

Welti: Es wird auf jeden Fall nicht dazu führen, dass wir irgendwelche Themen aufblasen müssen, nur damit wir die Seite gefüllt haben. Ich glaube es ist auch von Vorteil, dass ich nicht von der Region bin. Man kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, dass ich eine Region bevorzugen würde. Ich kann also mit grosser Offenheit an die Arbeit gehen.

 

Sie legen Wert darauf, dass ihre Redaktoren in der Region wohnhaft sind. Wie halten Sie es persönlich? Sie leben ja heute noch im Tessin.

Welti: Ich habe vor wenigen Tagen in Stansstad eine Wohnung gefunden. Das trifft sich gut, da wir ja unsere Büros in Alpnach haben. So bin ich quasi in beiden Kantonen zu Hause.

 

Wann ziehen Sie in ihr neues Reich ein?

Welti: Ab Ende Mai werde ich in Stansstad leben. Vorher muss ich noch einige Verpflichtungen im Tessin wahrnehmen. Bis dahin habe ich mit Martin Utz auch einen Stellvertreter auf der Redaktion, der zusammen mit mir die Geschicke leiten wird.

 

 

"Man kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, dass ich eine Region bevorzugen würde. Ich kann also mit grosser Offenheit an die Arbeit gehen."

 

 

Sie waren bisher als Korrespondent und Gerichtsreporter tätig. Was hat Sie gereizt, diese Aufgabe in Ob- und Nidwalden zu übernehmen?

Welti: Es ist schön, wenn man mich auch als Gerichtsreporter wahrgenommen hat. Aber eigentlich liegen meine journalistischen Wurzeln im Regionalen. Ich bin zwar im Kanton Tessin geboren und aktuell tätig, aber im Thurgau aufgewachsen, wo ich auch meine ersten Gehversuche als Journalist unternommen habe. Den Norden und den Süden der Schweiz habe ich nun kennen gelernt. Jetzt werde ich in der Mitte der Schweiz tätig sein. Dies war eine sehr verlockende Aussicht. Zudem hat mich das Projekt der Mikrozeitung fasziniert. Es ist spannend eine Zeitung für zwei Kantone herauszugeben.

 

Spannend sicher, aber ist es auch ein Bedürfnis?

Welti: Wenn fast 400 Personen Aktien zeichnen, ist das Bedürfnis mehr als ausgewiesen.

 

Die Frage ist doch, ob die Rechnung auch wirtschaftlich aufgeht.

Welti: Das ist letzten Endes die entscheidende Frage. Das wird die Knacknuss sein. Ich bin aber guter Dinge. Wir haben ein sehr gutes, innovatives Konzept.

 

Sie führen heute im Tessin noch ein Weingut. Was passiert mit diesem?

Welti: Ich habe einen Profi gefunden, der es mit meiner Partnerin pflegen wird. Der Abschied fällt mir aber schwer.

 

Aber Sie könnten ja künftig immerhin Weindegustationen mit der neuen Zeitung anbieten?

Welti (lacht): Auf jeden Fall werde ich nicht umhinkommen, meinen Wein der Redaktion zum Degustieren zu geben.